Toni

Lieber Toni,

über 40 Jahre lang warst Du an meiner Seite, ohne dass ich wusste, dass es Dich gibt. Wie es dazu kam, dass ich Dich endlich entdeckt habe, möchte ich in diesem Brief aufschreiben.

Es war ein neuer Freund in mein Leben getreten, mit dem ich mich sehr stark verbunden fühlte. Trotzdem war die Freundschaft mit ihm oft schwierig und schmerzhaft. Und weil ich das verwirrend fand und ich den Verdacht hatte, dass die Schwierigkeiten ihren Ursprung nicht in dieser Inkarnation haben, habe ich eine hellsichtige Frau um Rat gefragt.

Tatsächlich konnte sie mir bestätigen, dass mein Freund und ich Seelengeschwister sind, die sich schon oft in mehreren Inkarnationen getroffen hatten, um sich gegenseitig bei ihren Seelenaufgaben zu unterstützen.

Wie glücklich war ich über diese Erkenntnis. Und sie fühlte sich sowohl für mich als auch für ihn sofort so richtig an. Außerdem war ich glücklich darüber, endlich einen Bruder zu haben. Ich, das vermeintlich traurige Einzelkind.

Aber mein Glück hielt nicht lange. Nur wenige Tage nach dieser Erkenntnis gingen die Probleme weiter und wurden noch schlimmer. Bis ich meinen Seelenbruder endgültig verlor.

Das war eine schwierige Zeit für mich und ich will bis heute noch nicht glauben, dass die Trennung endgültig ist. Wie bei allen Krisen habe ich jedoch auch durch diese viele Geschenke erhalten.

Ich suchte einige Therapeuten auf, die alle auf unterschiedliche Weise arbeiteten, und von denen ich sehr viel lernte. Ich bekam Bachblüten, und der Bachblüten-Therapeut machte mich darauf aufmerksam, dass meine Kindheit gar nicht so ohne war, wie ich das immer abtue. Ich lernte auch, mir selbst zu helfen. Besonders viel brachte mir das Buch, „Ich vergebe“, von Colin Tipping. Ich befasste mich mit meinem inneren Kind. Bei einer systemischen Aufstellung erkannte ich, wie dringend ich Hilfe brauchte. Deshalb suchte ich die psychologische Heilpraktikerin Lydia Schauer auf. Auch sie arbeitete auf eine besondere Art und Weise. Was mir aber beim ersten Termin bereits den Aha-Effekt bescherte, war ein spontaner Nebensatz von ihr, nämlich, dass ich ihr vorkäme wie ein alleingeborener Zwilling.

Das war das Schlagwort schlechthin. Auf dem Heimweg im Auto wusste ich ganz genau – neben mir sitzt mein Bruder aus der geistigen Welt. Dieser Gedanke fühlte sich NUR gut und richtig an. Ich beschäftigte mich mit dem Thema und wollte von (m)einer Hellsehrein die Bestätigung. Ich rief Ulla an.

„Ulla, bin ich ein alleingeborener Zwilling?“

         „Ja.“

         „Ich habe einen Zwillingsbruder, von dem niemand etwas wusste, der während der Schwangerschaft sehr frühzeitig abging und der mich seit meiner Geburt geistig begleitet?“

         „Das stimmt so nicht ganz, meine Liebe. Es war eine Seele bei dir im Mutterleib, aber nur wenige Tage lang. Sie hatte noch nicht einmal ein Geschlecht und sie ist dann ganz fortgegangen und war seit du auf die Welt gekommen bist nie bei dir.“

         „Das kann ich nicht glauben, Ulla. Dann muss es einen anderen Bruder geben, einen, der vielleicht nach mir gekommen wäre, von dem Mutti nichts wusste, der ebenfalls sehr früh abgegangen ist. So einer begleitet mich geistig ganz bestimmt.“

         „Das ist definitiv wahr.“

Oh, wie glücklich war ich dank dieser Aussage. Um das Ganze zu bekräftigen, fragte ich noch bei der Organetik-Therapeutin und somit bei meinem eigenen Unterbewusstsein nach. Ich wollte noch dazu wissen, wie Du heißt. Um das abzufragen, musste ich einen oder mehrere Namen vorschlagen. Die Organetikerin bestätigte alles, was Ulla bereits gesagt hatte als wahr. Und als ich fragte, ob mein Bruder „Toni“ hieß, kam ein promptes und freudiges „JA“ als Antwort.

Moni und Toni also, die Geschwister. Ich freue mich so, dass Du bei mir bist, Toni, und mich durch Dick und Dünn immer schon begleitet hast. Du bist wahrscheinlich der Grund, warum ich in meinem Leben immer Glück habe.

Jetzt, wo ich weiß, dass Du da bist, und ich mich geistig auf Dich einlasse, ist mir klar, dass Du ein recht lustiger Kerl bist, der mich sehr liebt, meinen Mann sehr schätzt und sich jetzt riesig darüber freut, dass nun auch Dein geliebter Neffe und Deine geliebte Nichte wissen, dass sie einen Onkel Toni haben.

Ich gebe zu, dass es viele Stunden gibt, in denen ich vergesse, dass Du bei mir bist. Deshalb habe ich zur Gedächtnisstütze ein Foto von Dir aufgestellt. Wie das möglich ist? Na, es ist ein Foto von mir, auf dem ich mithilfe einer App in einen Mann umgewandelt wurde. Und ich glaube, es gefällt Dir genauso wie mir.

Wenn es mir schlecht geht, wandern meine Gedanken natürlich wieder recht schnell zu Dir. Und mit Dir über meine Probleme zu sprechen, ob laut oder nur im Geiste, hilft mir jedes Mal. Auch wenn ich nicht einschlafen kann, hilfst Du mir. Im Grunde ist es für mich eins, meinen Schutzengel und Dich um Hilfe zu bitten. Ihr seid beide immer da. Für mich.

Und wenn ich wirklich GAR nicht an Dich denke, weil ich Dich auch grad GAR nicht brauche, (was ein gutes Zeichen ist,) oder wenn es Dir bei mir langweilig ist, zum Beispiel, weil ich gerade eine Stunde lang Rückengymnastik mache, ja, dann kann ich mir schon denken, dass Du derweil einen Ausflug zu Mutti machst. Und das freut mich für sie.

Ich hab Dich lieb, Bruderherz! Bleib bei mir, solange ich Dich brauche und solange es Dir Freude macht!

Deine Moni

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