Lieber SEOM,
ich möchte mich bestimmt nicht als Dein größter Fan bezeichnen, dafür fördere ich Dich zu wenig. Ich bin nur eine Bewunderin und hier in diesem Brief möchte ich mich auch gleichzeitig als Deine Kritikerin outen. Dabei ist mir bewusst, dass Du die Meinung anderer nicht nötig hast, da Du immer Deinen Weg gehst, egal, was die Menschen sagen. Und diese Vorgehensweise hat sich ja bestens bewährt bei Dir.
Wann und wie bin ich auf Dich aufmerksam geworden? Hm … ich denke, das war, als Dein Song „Neue Welt“ herauskam. Da hat jemand einen Link gepostet, und so hörte ich zum ersten Mal SEOM. Bei mir passiert es wirklich selten, dass mir ein Lied auf Anhieb gefällt und um so schöner war es, dass ich bei Dir sofort wusste, Du liegst mir. Also, vorausgesetzt, alle Deine Lieder haben so geniale Texte, so ergreifende Musik und so einen dramatischen mitreißenden Sound. Und ich, der ebenso relativ neue aber begeisterte Spotify-Nutzer, habe mich auch davon überzeugt und alle Deine Lieder gelikt und downgeloadet.
Wobei mir wirklich die dramatischen Sachen gefallen. Ich mag das Piano als Instrument SCHON und ich merke, dass Du vielfältig und flexibel sein willst, bist und sein kannst. Und wenn Du Lust auf ein Piano-Album hast, dann machst Du das halt, auch wenn dabei was von der gewohnten und geliebten Dramatik verloren geht. Und wenn Du wieder was für Deine Fans wie mich machst, na dann steigst Du wieder um auf den Film-Musik-Stil. So einfach geht das bei Dir.
Natürlich habe ich auch Deinen Podcast gefunden und festgestellt, was Du sonst noch so alles machst, wie Du den Menschen dienst, im wahrsten Sinn des Wortes. Auch Deinen Newsletter habe ich abonniert. Ganz wichtig ist hier zu sagen, danke, danke, danke! Man kann ins Schwärmen kommen über das Gesamtpaket SEOM.
Und nun genug des Lobs und der Schmeichelei, das ist nicht der Grund des Briefes. Hier und heute will ich mich endlich zu Deiner Zusammenarbeit mit Annika Dietmann äußern. Vielleicht ist es ja schon zu spät, weil die Zusammenarbeit vorbei ist, ich hab da keinen Überblick. Du hast da ein Mädel unter Deine Fittiche genommen, das Dich beeindruckt hat, für das Du einen Weg gesehen hast. Das Du fördern wolltest und mit dem Du gern ein eine künstlerische Blase eintauchen wolltest. Und weil Du dabei so eine große Freude hattest, tut es mir um so mehr leid, dass mir die Songs mit Annika am wenigsten gefallen. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass Ihr aus der Sache nicht rausgeholt habt, was möglich gewesen wäre. Gerade höre ich mir noch Annikas beliebteste Songs auf Spotify an, um mir ein besseres Bild machen zu können. Und ich merke schon, es liegt an Annika. Entweder sie kennt ihr Potential noch nicht, oder sie mag nicht anders. Jedenfalls ist der Ansatz meiner Kritik dieser:
Wie arbeitet eine Sängerin am besten mit einem Rapper zusammen? Schema F: Die Sängerin singt und der Rapper rappt. Was Ihr macht, ist Folgendes: Du rappst und Annika singt eine zweite Stimme zu Deinem Sprechgesang. Wenn Du auch singen würdest, also nach Noten, mit Tonlage und Melodie und so, dann würde das für mich einen Sinn ergeben. Dann kämt Ihr zwei vielleicht in so eine Gänsehaut-Terz. (Siehe Pizzera und Jaus, zahlreiche Songs.) Du singst aber nicht. Du sprichst. Und zum Sprechen gibt es keine harmonische Über- oder Unterstimme. Ich will Euch jetzt nicht vorschreiben, was Ihr machen sollt. Ich will Euch nicht vorschreiben, wie „man es macht“. Ich will, dass Ihr für MICH – und ich bin mir sicher, „MICH“, das ist nicht nur eine Person sondern eine große Gruppe von Fans – einen echten Rap-Gesang macht. Nach dem Vorbild von Eminem und Rihanna, Eminem und Ed Sheeran. Und jetzt hab ich es gegoogelt und festgestellt, dass diese Kategorie sogar einen offiziellen Namen hat: Rap/Sung Collaboration. Das gefällt mir.
Die Version, dass Annika singt und Du dazu rappst, die gibt es, und die ist wohl ganz nach ihrem Geschmack. Und ich habe sie jetzt bei meiner Recherche noch nicht richtig singen hören. Sie bleibt mit ihrer wunderschönen und bezaubernden Stimme immer in einer bequemen Tonlage. Meinetwegen. Aber mach doch DU bitte einen Song, in dem Du machst, was Du immer machst und bitte mit allen dramatischen Elementen an Instrumenten, die Du aufwenden kannst, und für Annika schreibt Ihr dazu mal als Refrain eine so richtig eingängige Melodie, die jedermanns Ohrwurm wird und unter die Haut geht. Das wünsche ich mir. EIN Lied! Für mich! Vielleicht lässt Du sie für Deine Aufnahme auch noch selbst eine Über- oder Unterstimme zu ihrer eigenen singen. Oder DU versuchst Dich mal im Singen. A bissal terzeln, das schaffst Du schon. Du musst jetzt eh öfter mit Deinem Sohn daheim singen.
Ach, by the way, schreib doch gleich noch ein paar Kinderlieder, bitte! Mal was Neues, Spirituelles! Oh ja! Diese Idee hattest Du bestimmt bereits. EINS will ICH dann auch auf Deinem Album singen. Nicht eine Kinderlieder-CD machen, wo alle Lieder von derselben Person gesungen werden, bitte. Das kann sich dann wieder keiner anhören. Denk nur an die armen Eltern, die der Toniebox ausgeliefert sind. Lade Deine Fans ein, sich dafür zu bewerben, je ein Kinderlied auf Deiner Kinderlieder-CD einzusingen! DAS wird eine Party!!! Oh je, jetzt komme ich in ein ganz anderes Thema rein … Das passiert, weil ich neuestens meine „Briefe an Menschen“ gleich morgens schreibe, so als Ersatz für das Ritual „Die Morgenseiten“. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich habe nämlich so viele Interessen, da muss ich schauen, wie ich alles unter einen Hut bekomme. Ja, und gleich am Morgen, da kommen einem halt die besten Gedanken.
Zurück zu Annika. Also wenn Du sie im nächsten Album bei einem Refrain dabeihast, deswegen muss sie ja nicht mit auf Tour. Das verzeiht ja wohl jeder, wenn Du das dann auf Band einspielst.
So, nun wirst Du weiterhin machen, was Du willst, und Deine Fanpost liest Du ja sowieso nicht mehr selbst. Trotzdem bin ich froh, dass ich meinen Senf endlich losgeworden bin.
Alles Gute auf Deinem weiteren Weg, lieber SEOM, danke für alles, was war und was kommt! Ich wünsch Dir die ganze Fülle in allen Lebensbereichen!
Deine Monika